Keine Datenerfassung, kein Industrie 4.0! – Valide Werte mit SAP erfassen.

Valide Werte sind die Grundlage für die Umsetzung von Industrie 4.0 Konzepten. Industrie 4.0 Konzepte sind wiederum die Grundlage für Unternehmen, die digitale Transformation auch in der Fertigung voranzutreiben und damit Ihre zukünftigen Kundenanforderungen wie zum Beispiel Liefertreue sicherzustellen. In diesem Beitrag erläutere ich ihnen, welche Optionen Sie mit SAP in der Produktion haben, um eine valide Datenerfassung zu realisieren und somit die Grundlage für die Umsetzung von weiterführenden Industrie 4.0-Konzepten schaffen.

Warum valide Daten in der Fertigung essentiell sind

Vor allem produzierende Unternehmen sehen sich immer stärker mit steigenden Kundenanforderungen, gesetzlichen Anforderungen und auch steigendem Markt- und Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Im Zusammenhang mit der Fertigung und Industrie 4.0 gehören insbesondere die folgenden dazu:

  • Kunden erwarten frühzeitige Transparenz in Sachen Qualität, Fertigungszeitraum sowie Art und Weise der Fertigung
  • Unternehmen haben auf kurzfristige Änderungen flexibel zu reagieren
  • Eine hohe Produktvarianz erfordert eine effiziente Fertigung bis hin zu Losgröße 1
  • Der Onshoring-Trend erfordert ein hohes Maß an Automatisierung und Digitalisierung
  • Nachweis von Qualitätsmessungen und Prozessparametern
  • Nachweispflichten für z.B. Chargen, verwendete Materialien oder Komponentenherkunft

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden ist die Erfassung von validen Daten auf dem Shopfloor und deren Verarbeitung in den betriebswirtschaftlichen SAP-Prozessen essentiell.

Warum Unternehmen verfügbare Daten auf dem Shopfloor noch nicht nutzen

In vielen Fällen besteht die Herausforderung von Unternehmen in der Verknüpfung der operativen Daten des Shopfloors mit den betriebswirtschaftlichen Prozessen des SAP S/4HANA oder SAP ECC Systems. Die meisten produzierenden Unternehmen sind bereits in der Lage Maschinendaten für Prozessparameter zu erfassen, zu speichern und in unterschiedlichen Ausprägungsstufen für auszuwerten und zu analysieren. Allerdings werden diese Daten oftmals noch nicht in Kombination mit der SAP Produktionsplanung und -steuerung in S/4HANA oder ECC genutzt. Grund dafür ist, dass die erfassten Shopfloor Daten entweder technisch oder organisatorisch nicht den betriebswirtschaftlichen Objekten wie z.B. einem Fertigungsauftrag, Vorgängen oder Arbeitsplätzen zugeordnet werden können. Als Folge hieraus werden häufig Planwerte (z.B. für Maschinen- oder Personalzeiten bei Fertigungsvorgängen) genutzt, die z.B. aufgrund fehlender Aktualisierungen und nicht-Berücksichtigung von Fertigungseinflussfaktoren keine genaue Aussagekraft und damit keine valide Voraussetzung für die Umsetzung von Industrie 4.0 Konzepten darstellen.

Aus diesem Grund ist die fehlende Vernetzung von operativen Daten und Prozessen des Shopfloors mit den betriebswirtschaftlichen Daten und Prozessen des SAP-Systems sind ein enormes Optimierungspotential.

3 Optionen zur validen Datenerfassung mit SAP

Um valide und damit Echtdaten erfassen zu können stehen Unternehmen eine Vielzahl an SAP-Technologien als auch Drittpartner-Tools zur Verfügung. Im Folgenden gebe ich Ihnen einen kurzen Einblick in die mobile Datenfassung mit SAP, das Production Optimization Interface (POI) und die SAP Manufacturing Execution Suite, die die Verknüpfung von operativem Shopfloor und dem betriebswirtschaftlichen SAP in unterschiedlichen Ausprägungsstufen unterstützen können.

Mobile Datenerfassung

Mit der mobilen Datenerfassung können Mitarbeiter der Fertigung direkt über mobile Endgeräte wie z.B. Scanner betriebswirtschaftlich relevante Daten auf dem Shopfloor erfassen. Dazu gehört beispielsweise auch die Erfassung von Mengen- oder Zeitrückmeldungen für Fertigungsaufträge. Hierzu stehen von Seiten der SAP Technologien wie z.B. SAP Fiori oder ITS Mobile zur Verfügung, die ein Integration in die betriebswirtschaftlichen SAP Prozesse ermöglichen und größtenteils in den bereits vorhanden SAP Lizenzen inkludiert sind.

Die Nutzung der mobilen Datenerfassung mit SAP bietet unter anderem die folgenden Vorteile:

  • Verhältnismäßig kostengünstige Einführung und Betrieb möglich
  • Echtzeitverbuchung im SAP-System
  • Plausibilitätsprüfungen der eingegebenen Daten
  • Nutzung von Ist- statt Plandaten
  • Durchgängige Nachverfolgbarkeit – insbesondere in der Bestandsführung
  • Papierlose Fertigung möglich
  • Deutlich verbesserte User-Experience
  • Keine redundante Datenerfassung auf dem Shopfloor und im SAP-System

Zusammengefasst: Wer für die Datenerfassung mobile Applikationen nutzt, pflegt diese direkt ins SAP System ein, vermeidet eine papierbasierte Datenerfassung und optimiert hiermit auch die Transparenz in Bestandsführung und Prozessfortschrittscontrolling.

POI: Production Optimization Interface

Besonders Unternehmen, die bereits operative Daten auf dem Shopfloor erfassen und diese beispielsweise auf einem OPC-Server speichern und nutzen, können diese durch den Einsatz des Production Optimization Interfaces (POI) in die betriebswirtschaftlichen Prozesse im SAP-System integrieren. Vollautomatisiert und ohne zzgl. manuelle Tätigkeiten. Das POI ist eine SAP Standard Schnittstelle, die es unter anderem ermöglicht Rückmeldedaten, Vorgangsänderungen sowie Plan- und Fertigungsaufträge automatisiert von einem Drittsystem an SAP ECC oder SAP S/4HANA zurückzumelden. Hierzu werden iDocs und RFC-Verbindungen genutzt.

SAP Manufacturing Execution Suite

Eine weitere Möglichkeit Daten des Shopfloors in die SAP Produktionsprozesse zu integrieren ist die SAP Manufacturing Execution Suite. Mit Hilfe von SAP MES können beispielsweise Betriebs- und Maschinendaten, die auf dem Shopfloor erfasst werden, in SAP MES ausgewertet und analysiert werden und in aggregierter Form an SAP ECC oder S/4HANA übergeben werden.

Die SAP Manufacturing Execution Suite besteht aus drei zentralen Komponenten:

  1. SAP Manufacturing Execution (SAP ME) zur Verwaltung und Steuerung der Fertigungsabläufe
  2. SAP Manufacturing Integration and Intelligence (SAP MII) zur Datenanalyse, Reporting und Integration von Shopfloor-Systemen
  3. SAP Plant Connectivity (SAP PCo) zur Verknüpfung und Integration verschiedener Shopfloor-Systeme und Maschinen mit SAP

SAP Manufacturing Execution - Rewion

SAP MES ist also eine Middleware, die Out-of-the-Box einsetzbar ist und für ein optimiertes Shopfloor Management im Hinblick auf die Umsetzung von Industrie 4.0 Konzepten unterstützt und im Vergleich zu SAP ECC bzw. SAP S/4HANA vor allem die operativen Prozesse und Datenmanagement steuert und unterstützt.

Ein kurzes Fazit

Kernherausforderung vieler Unternehmen ist die Verknüpfung ihres betriebswirtschaftlichen SAP-Systems mit den erfassten Echtdaten des Shopfloors. Heterogene Systemlandschaften erfordern häufig aufwendige Integrationen und Schnittstellen. Um steigende Kundenanforderungen bedienen zu können, konform gegenüber gesetzlicher Rahmenbedingungen zu sein und auch dem enormen Markt- und Wettbewerbsdruck standhalten zu können, müssen produzierende Unternehmen die auf dem Shopfloor verfügbaren Daten in die betriebswirtschaftlichen Prozesse integrieren. Lösungen wie z.B. die mobile Datenerfassung mit SAP oder das im SAP Standard verfügbare Production Optimization Interface können hierzu sinnvolle erste Schritte für die Umsetzung von Industrie 4.0 Konzepte sein.

Sie haben Fragen, wie Sie den Einstieg in die Umsetzung von Industrie 4.0 schaffen können und welche Möglichkeiten für Sie sinnvoll sein können? Buchen Sie einfach einen unverbindlichen Termin mit mir und wir tauschen uns über Ihre individuelle Situation aus.

Cedric King - Rewion

geschrieben von Cedric King

Geschäftsführer & SAP Consultant

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